Wieder schmerzfrei Laufen

Die Faszie

Die Faszie – ein bisher häufig nur als raumfüllendes Nebenprodukt betrachtet, deren anatomische und physiologische Bedeutung wenig beachtet bzw. verstanden wurde, findet mittlerweile in der Medizin immer mehr Aufmerksamkeit und hat die Behandlungstherapien bereits sehr verändert.  Auch lässt sich ein Trent in der Lifestyle-Branche beobachten der ebenfalls die Faszien als Thema entdeckt hat, dessen Methoden und Therapievorschläge manchmal jedoch fraglich erscheinen, und dessen Anwendung nicht vor Schaden schützt. Dieser Blog soll die Faszie tiefer beleuchten, die häufig als zentrale Ursache für viele Schmerzen im Bewegungsapparat verantwortlich gemacht werden können.  

Faszien kann man als ein eigenes Organ beschreiben, das eine zentrale Rolle für unsere Gesundheit ausmacht. Sie existieren in unserem Körper in unterschiedlichen Formen und Beschaffenheit: als Oberflächliche Faszien (direkt unter der Haut); als Tiefe Faszien die unsere Muskseln umhüllen, oder Muskelfasern und Organe – auch das Gehirn ist mit einer Faszie (Hirnhaut) umhüllt. Ca. 25 % unseres Körpergewichts machen Faszien aus. Der ganze Körper ist mit einem Netz aus extrem flexiblen Fasern durchzogen von der Oberfläche der Haut bis in die tiefen des losen Bindegewebes der Zellen.   

„Es gibt keine freien Räume, alles hängt zusammen, immer in Bewegung und im Wandel“; so beschreibt es der Handchirurg Jean-Claude Guimberteau in seinem Buch: Faszien: Architektur des menschlichen Fasziengewebes.

Einer der Pioniere auf diesem Gebiet ist Robert Schleip der sowohl als Praktiker (Rolfing) als auch als Wissenschaftler in der Faszienforschung unterwegs ist. Auch Thomas M Myers hat die Bedeutung der Faszien schon früh erkannt. Nach ihm sind die Faszien in (Zug-) Linien oder Leiterbahnen miteinander verbunden vom Kopf bis Fuß, von einer Hand quer zur anderen, sogar spiralförmig durch den ganzen Rumpf. Seine Erkenntnis: Die Ursache liegt meist ganz woanders als das sich bemerkbar machende Symptom. Deshalb richtet er seinen Blick vorwiegend auf die Blockaden und deren Ursachen, warum z.B. die Faszien nicht mehr gleiten.

Als Beispiel das Bauchfell mit der Nieren-Faszie. Die Faszien sind weißes, muskuläres Bindegewebe, die alles umhüllen d,h. jeden Muskel, jeden Knochen, die Organe und selbst die Nerven; zudem dienen sie als Verbindung z.B. in Form von Sehnen.

Die Faszie, auch umgangssprachlich als Bindegewebe bezeichnet, hält wie ein elastisches Band alle Muskeln und Knochen an seinem Platz. (Ohne Bindegewebe würde alles in sich zusammensacken). D.h., die Faszien übernehmen die Halte- und Spannungsfunktion (aufrechte Haltung) im Körper. Schäden an Gelenken können vermieden werden, wenn die Faszien genügend elastische Vorspannung haben.

Woraus besteht die Faszie?

Faszien setzen sich zusammen aus Fibroplasten und der sie umgebenden Matrix. Die Fibroplasten sind die Zellen des Bindegewebes und produzieren entweder Kollagenfaser oder Hyaloron. Bei Mangel an Bewegungsimpulsen produzieren die Fibroplasten  Kollagenfasern als eine Art Matrix, die den größten Teil der Faszie einnimmt. Die Fibroplasten selber machen weniger als 10% aus. Haben wir uns geschnitten, dann verschließen die Kollagenfasern die Wunde. Haben wir einen Knochernbruch, so verstärkt sich die umhüllende Faszie. Hier hat die Natur ein sehr effizientes Werkzeug geschaffen, um zu reparieren und vor weiteren Schäden zu bewahren.

Aber Kollagenbildung kann auch schaden! Bei längerem Bewegungsmangel kann das Gewebe sozusagen zu wuchern beginnen, es verdickt und verfilzt sich. Dadurch kommt es zu einem Funktionsverlust mit vielen Konsequenzen. Das heißt, die Bewegung ist notwendig um unsere Gesundheit (Mobilität) aufrecht zu erhalten! Durch mangelnde Bewegung und Fehlhaltungen können Faszien derart versteifen, dass sie sogar Nerven schädigen und noch größere Schmerzen verursachen.

Faszien brauchen also regelmäßige Stimulation um nicht zu verkleben oder gar zu versteifen. Vermehrte Kollagenbildung erschwert das Gleiten der Faszien. Durch Bewegung wird die Überproduktion der Kollagenbildung gestoppt und die Prduktion von Hyaloron in den Fibroplasten angeregt. Dabei verbinden sich die Hyaloron-Moleküle zu einer Art Schwammstruktur, das große Mengen an Wasser binden kann. Durch Bewegungsimpulse wird u.a. das Wasser in der Schwammstruktur erneuert und das alte mit „Schadstoffen kontaminierte“ Wasser über die Lymphe entsorgt. Es läuft sozusagen eine Art Erfrischungsprozess ab.  Bei regelmäßiger Bewegung läuft dann ein Erneuerungsprozess ab, indem die Fibroplasten neues Kollagen produzieren  und so verfilzte Faszien lösen Die Faszien können dann wieder besser gleiten. Dadurch kann das Schmerzempfinden bereits stark reduziert werden. Der Grund: Die Faszien sind mit unzähligen Schmerzrezeptoren durchdrungen, die viel intensiver auf Stimulation reagieren als z.B. die Schmerzrezeptoren der Muskeln. Die Faszie ist eines unserer empfindlichsten Wahrnehmungsorgane die mit den Nervenzellen im Rückenmark gut verbunden ist.  Je weniger Hyaloron unser Gewebe bindet umso rauher werden die Faszien und unsere Beweglichkeit nimmt ab. Dies wiederum beeinflusst unser Schmerzempfinden. Besonders durch regelmäßige Bewegung (aber auch in gewisser Weise durch Faszienbehandlung wie Massage oder Akkupunktur) wird der Stoffwechsel angeregt und die Fibroplasten produzieren neues Hyaloron.  Allein schon beim Stretching wird eine Heilung z.B. von Mikrotraumen beschleunigt.

Fibroplast; CC BY2.5

 

 

Die Versteifung des Bindegewebes wird durch die Fibroplasten (Zellen) reguliert. Die Zellen beeinflussen die Spannung des Gewebes. Beim Stretching werden die Fibroplasten bis zu 200% gedehnt und entspannen dadurch das umliegende Gewebe. Nicht nur beim Stretching auch beim Setzen einer Akkupunkturnadel dehnen sich die Fibr0plasten aus und entspannen dadurch. Das gilt im besonderen Maße auch für das Bewegungstraining. 

Um verklebte Faszien wieder zu erneuern, sollte ein Bewegungstraining mindestens dreimal die Woche mit der erforderlichen Intensität stattfinden.  Als Faustregel hierzu könnte gelten: Intensive Belastung  und anschließend 2-3 Tage Pause. Jedoch sollte die Intensität der Belastung nicht eine Obergrenze überschreiten, da sich dann der positive Effekt negiert.

 Stress wirkt sich unmittelbar auf das fasziale Gewebe aus. Der Sympaticus: (Teil des vegetativen Nervensystems) steuert vom Gehirn aus bei Stress über das Rückenmark in die Organe auch das fasziale Gewebe und führt u.a. zu einer Kontraktion der Blutgefäse.

Faszien reagieren auch unabhängig von einem muskulärem oder nervlichen Reiz allein schon aufgrund von Botenstoffen, die z.B. bei Entzündungen oder emotionalen Stress (TGF) ausgeschüttet werden. Das erstaunliche ist, dass der Botenstoff TGF die Faszien nachhaltig beeinflusst (versteift).

 

Arthrose

Gelenkverschleiß hat nichts mit dem Alter zu tun; auch junge Menschen können schon unter Gelenkverschleiß leiden. Ein Grund hierfür ist eine zu starke (meist punktuelle) Belastung auf den Gelenken wie es zum Beispiel im Spitzensport häufig vorkommt. Aber auch ein Bewegungsmuffel setzt sich dem erhöhten Risiko aus, frühzeitig an Arthrose zu erkranken.  Bei den meisten Menschen nutzen sich jedoch die Gelenke über die Jahre hinweg ab und bereiten zusehends Schmerzen. Wichtig ist hier vor allem, weiterhin in Bewegung zu bleiben. Doch auf die richtige Art der Bewegung kommt es an.